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Artikel Grenzecho – 06.04.2019

Den Rohstoff Holz bestmöglich veredeln

Im Sekundentakt werden bei Belwood Amel Rundhölzer aus der Region zu Schnittholz verarbeitet. Jährlich durchlaufen 200.000 Festmeter Holz die Produktionshallen der Sägerei auf Kaiserbaracke. Am Freitag machten sich Vertreter der Architektenkammer NRW ein Bild des Familienbetriebs, der sich in den nächsten Monaten beträchtlich vergrößern wird.

Fasziniert zeigten sich die deutschen Architekten und Tragwerkplaner beim Rundgang durch das Sägewerk Belwood Amel. Sie seien positiv überrascht worden, ließ ein Vertreter zum Abschluss der Visite verlauten. Der Ausflug nach Ostbelgien ging auf eine Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Ostbelgien zurück. Letztere will hiesige Unternehmen auf die ausländischen Märkte bringen. Oft geschieht dies in Form einer Präsenz auf Fachmessen. Diesmal wurde der Spieß jedoch herumgedreht und die Akteure besuchten die Deutschsprachige Gemeinschaft, wie Projektleiterin Valerie Jakoby erklärt.

 

Die Planung des Ausflugs nach Ostbelgien übernahm die WFG.

Nach dem Motto „Holz in Ostbelgien“ wurden der rund 30-köpfigen Gruppe mehrere Facetten der Holzverarbeitung in Ostbelgien gezeigt. Nach einem morgendlichen Spaziergang mit dem Förster durch den Schlierbacher Wald ging es auf die Baustelle eines Holzmassivhauses in Manderfeld. Vor dem Mittagessen im Rodter Biermuseum stand der Besuch bei Belwood auf dem Programm. Den Abschluss des Tages bildete eine Präsentation des Unternehmens Ligna Systems.

Das GrenzEcho gesellte sich zur Besichtigung der Sägerei Belwood auf Kaiserbaracke. Was beim ersten Blick auffiel: Dort liegt viel Holz, sehr viel Holz sogar. So groß ist der Familienbetrieb aber nicht immer gewesen. Im Jahre 1998 entschied sich der Geschäftsführer Freddy Pauels gemeinsam mit seinem Vater Bernhard Pauels, das Unternehmen zu einem industriellen Sägewerk umzubauen. In der neuen Industriezone Kaiserbaracke fand man schnell ein passendes Gelände, dass man sich seitdem mit dem Rundholzhandel Niessen teilt. Dadurch ist gewissermaßen ein Holzcluster entstanden, das im Laufe der Zeit um Zusammenarbeiten mit anderen Nachbar- und Partnerunternehmen in der Region erweitert wurde. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich der Betrieb stetig vergrößert, von dem Bau der Trockenkammern über die Inbetriebnahme von Hobellinien, eines Trockenkanals und einer Sortierhalle bis hin zur Errichtung einer Leimholzhalle im Jahre 2012.

 

Belwood möchte sich im Bereich modulares Bauen mit dem Bau einer Produktionshalle positionieren.

Jetzt steht das nächste große Projekt an: In diesem Jahr wird eine 5.000 Quadratmeter große Produktionshalle gebaut, wo künftig mit einer CNC-Fräse Brettsperrholzplatten zugeschnitten werden. Belwood möchte sich im Bereich modulares Bauen positionieren, heißt: Ab 2020 fertigt Belwood Elemente für Holzmassivbauten an. „Ab diesem Zeitpunkt können wir die Planung vollständig übernehmen. Wir bekommen die Pläne des Architekten und fertigen in der Folge die verschiedenen Pläne an, sei es beispielsweise für die Maschinen oder die Montage“, erklärt Patrick Pauels, der wie Mutter Birgit, Schwester Elena und Bruder Raphael ebenfalls zum Unternehmen gehört. Der Familienbetrieb wird somit bereits in der dritten Generation geführt. Ohne eine gesicherte Nachfolge hätte Freddy Pauels die großen Investitionen auch nicht tätigen wollen. Ziel ist es auf Dauer, 10.000 Kubikmeter Brettsperrholz zu modularen Elementen zu verarbeiten. Zum Vergleich: Etwa 80 Kubikmeter Holz wurden im Einfamilienhaus in Manderfeld verarbeitet, das die Architekten am Freitag besichtigt haben.

Die Zeiten des einfachen Sägewerks, das sich darauf beschränkte, Rundholz zu einfachen Brettern und Balken zu verarbeiten, sind lange vorbei. Belwood verarbeitet den Rohstoff zu Bau-, Paletten-, Verpackungs-, Garten-, Profil- und Leimholz. Bei der Kontrolle und Sortierung wird sorgfältig vorgegangen. Selbst die Holzreste werden wiederverwertet. „Abfälle gibt es in einem solchen Unternehmen nicht“, betont Patrick Pauels und schildert, wie die Holzreste ihren Weg beispielsweise in Papierfabriken oder ins benachbarte Heizkraftwerk 2Valorise finden. Im Übrigen liefert letzteres Unternehmen Belwood die Wärme für die Holztrocknung. So kommt also wieder das erwähnte Holzcluster ins Spiel.

Wenn Patrick Pauels ein Projekt aussuchen müsste, das ihn in den letzten Jahren besonders geprägt hat, so wäre es der Bau einer Bergbahn in der Schweiz. Das Ameler Unternehmen war zwar nicht Planer, durfte aber die komplette Holzlieferung übernehmen. Dabei ergaben sich spektakuläre Bilder, schließlich mussten die Elemente per Hubschrauber zur Bergstation geflogen werden.

Die Schweiz stellt einen wichtigen Markt für Belwood dar. Erst kürzlich erhielt der Betrieb noch den Auftrag für ein großes Verstädterungsprojekt in Bern. Doch nicht nur die Eidgenossen scheinen die Qualität des Ardenner Holzes zu schätzen. Europaweit verteilen sich die Lieferaufträge des ostbelgischen Unternehmens.

Quelle und Copyright Text & Bilder: Allan Bastin, veröffentlicht vom GrenzEcho